Hobelwerk - ein neues Quartier entsteht
Das mit dem Watt d’Or ausgezeichnete Projekt Hobelwerk zeigt, dass der Weg zu Netto-Null im Gebäudebereich mit realistischen, skalierbaren und bezahlbaren Lösungen möglich ist. Holzbau und Re-Use senken die Erstellungsemissionen deutlich, während die intelligente Lüftung und selbstlernende Wärmeregelung den Betrieb optimieren. Vom BFE als Energiepionier:innen ausgezeichnet, liefern wir damit ein praxisnahes Gesamtmodell, das sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich überzeugt und das Potenzial hat, in der Schweiz breit angewandt zu werden.
Projektidee
- Treibhausgasemissionen (THG) in der Erstellung reduzieren
Der Holzbau weist grosses Potenzial zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in der Erstellung auf. Durch biogene Kohlenstoffspeicherung, CO₂-arme Holzwerkstoffe und optimierte Lieferketten war eines der Projektziele, die Emissionen der reinen Holzbau-Stockwerke des Gebäudes C auf < 5 kg CO₂eq/m² EBF zu senken. Dies liegt deutlich unter den aktuellen Bestwerten von 6–7 kg/m². Bereits in der Ausschreibung wurden CO₂-Emissionen der Unternehmer systematisch verglichen und in die Auftragsvergabe integriert – ein branchenweit neuartiger Ansatz. Erkenntnis: CO₂-arme Holzbaulösungen sind technisch umsetzbar, marktreif und praktisch kostenneutral, sofern sie frühzeitig eingefordert und planerisch berücksichtigt werden.
Im Gebäude D sollte modellhaft gezeigt werden, wie gebrauchte Bauteile (Fenster, Türen, Fassadenelemente, Küchen etc.) in einen regulären Bauprozess ohne Sonderbewilligungen integriert werden können. Eine Top-10-Liste von Bauteilen wurde definiert und diese systematisch gesucht, demontiert, aufbereitet sowie in die Planung integriert. Entscheidende Erfolgsfaktoren sind die Materialqualität, die Terminpassung, präzise Abmessungen, die Demontierbarkeit und klare Entscheidungswege.
- Bedarfsgerechte Abluftanlage
In den Häusern C–E kommt ein neuartiges Lüftungssystem zum Einsatz, das den Abluftvolumenstrom pro Wohnung über die CO₂-Konzentration regelt. Dies soll hohen Komfort mit minimalem Energieeinsatz verbinden. Im Vergleich dazu stehen in den Häusern A/B konventionelle feuchtegeregelte Abluftanlagen.
- Intelligente Heizung
Für die Häuser C–E wurde eine selbstlernende, intelligente Regelung entwickelt, die eine Luft/Wasser-Wärmepumpe mit einer Pelletheizung kombiniert. Die Regelung berücksichtigt Gebäudespeicherfähigkeit, Nutzerverhalten sowie Wetterprognosen. Ziel ist die Minimierung der THG-Emissionen, unter Berücksichtigung temperatur- und zeitabhängiger CO₂-Faktoren des Strombezugs.
Resultate
- Erstellung
Durch den Wechsel von einem Massivbau zu einem Holzbau, konnten in Bezug auf die Lebensdauer und die Energiebezugsfläche von Haus C 1.1 CO₂eq /m2a THG eingespart werden. Ein schlanker Anhydrit-Unterlagsboden, Innenwände ohne Gipsbeplankung und die mehrheitliche Verwendung von Schweizer Holzprodukten waren drei weitere Optimierungsmassnahmen mit einer THG-Einsparung von 0.5 CO₂eq /m2a. Somit liegt das gesamte Gebäude C bei 9.2 kg CO₂eq /m2a THG-Emissionen in der Erstellung. Mit 5.9 kgCO₂eq/m2a liegen die reinen Holzbau-Stockwerke unter den aktuellen Bestwerten. Das gesteckte Projektziel (< 5 kg CO₂eq/m² EBF) konnte allerdings nicht erreicht werden. Die aus dem Verhältnis der Investitionskosten zu den Emissionseinsparungen berechneten Treibhausgas-Vermeidungskosten der untersuchten Holzbaumassnahmen sind teuer und liegen im Bereich von 0.8 bis 5.3 CHF/kg.

THGE-Erstellung, aufgeteilt auf Haustechnik und Baumaterialien (Lemon Consult AG)
Die verwendeten Re-Use-Bauteile ermöglichen gegenüber neuen Bauteilen eine Reduktion der Treibhausgasemissionen im Bereich von 49 bis 96 %. Dank der Verwendung von Re-Use-Bauteilen sinken die Erstellungsemissionen von Haus D in Bezug auf die Lebensdauer und Energiebezugsfläche um 0.5 kg/m2a. Der Einsatz von Re-Use Bauteilen war trotz erheblicher Aufwände für Umplanung, Bauteilsuche, Ausbau, Transport, Lagerung, Aufbereitung und Einbau nahezu kostenneutral.
- Bedarfsgerechte Abluftanlage
In den Häusern C, D und E kommt ein neuartiges Lüftungssystem zum Einsatz, das den Abluftvolumenstrom pro Wohnung über die CO₂-Konzentration regelt. Dies soll hohen Komfort mit minimalem Energieeinsatz verbinden. Im Vergleich dazu stehen in den Häusern A und B konventionelle feuchtegeregelte Abluftanlagen. Die Messungen zeigen, dass die CO₂-Regelung den Luftwechsel bedarfsorientierter steuert und somit Energieverbrauch, Betriebskosten und CO₂-Emissionen reduziert, ohne den Komfort der Bewohner:innen in den Räumlichkeiten zu beeinträchtigen. Verbesserungen beim Komfort gegenüber früheren Projekten (Hunziker Areal) konnten erreicht werden – insbesondere bezüglich Luftqualität und Lärmbelastung. Die Kombination aus CO₂-Regelung und automatischer Temperaturbegrenzung (<0 °C, >25 °C) erhöht zusätzlich den thermischen Komfort.
- Intelligente Heizung
Erste Ergebnisse zeigen, dass die Lösung Leistungsspitzen reduziert, die Jahresarbeitszahl der Heizung erhöht und Schaltzyklen optimiert, was sowohl Emissions- als auch Kostenvorteile bringt.
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Dienstleistung Forschung und Entwicklung